Roland Koch

"Ein gesunder Lebensstil hilft auch dem Klima"

In wenigen Tagen wird mit dem Lancet Countdown ein neuer Bericht zum weltweiten Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit veröffentlicht. Annette Peters forscht am Helmholtz Zentrum München zu dieser folgenreichen Wechselbeziehung.

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Frau Peters, Umweltverschmutzungen wie Abgase oder verseuchtes Wasser schaden unserer Gesundheit. Das kann man leicht nachvollziehen. Aber warum schadet uns der Klimawandel gesundheitlich?
Der Klimawandel hat vielfältige, ganz unmittelbare Folgen für unsere Gesundheit. Hitzewellen zum Beispiel werden häufiger und belasten unser Herz-Kreislauf-System. Das betrifft besonders Menschen, die in Städten leben, wo sich die Hitzewellen intensiver auswirken. Neue Infektionskrankheiten breiten sich aus, etwa durch die Tigermücke, die nun auch bei uns gute Lebensbedingungen vorfindet. Darüber hinaus fragen wir, wie unsere mentale Gesundheit betroffen ist. Ist es mehr als, dass wir bei Hitze einfach nicht so gut nachdenken können? Wir sehen auch, dass Diabetiker und Menschen mit hohen Cholesterinwerten an heißen Tagen vermehrt Herzinfarkte erleiden. Insgesamt gibt es durch ein verändertes Klima also eine Vielzahl an direkten gesundheitlichen Folgen für uns.

Porträtfoto von Annette Peters
Porträtfoto Annette Peters
Prof. Dr. Annette Peters forscht am Helmholtz Zentrum München zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit.
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Foto: HMGU

An welchen dieser Themen forschen Sie?
Mein Team und ich erforschen vor allem die biologischen Prozesse, die an heißen Tagen im Körper ablaufen. Insbesondere interessiert uns, was molekular passiert, wenn mehrere heiße Tage aufeinander folgen. Wir wollen auch wissen, wie sich Hitze in Kombination mit Luftschadstoffen und Lärm im städtischen Umfeld auswirkt, wie sich diese Faktoren also im Zusammenspiel für unsere Gesundheit bemerkbar machen.


Und gibt es dazu schon Ergebnisse?
Wir können zum Beispiel zeigen, dass die negativen Auswirkungen von Luftschadstoffen auf den menschlichen Organismus zunehmen, wenn die Temperaturen steigen. Hitze wirkt hier also verstärkend. Das heißt, mit einem zunehmenden Klimawandel werden auch die Schadstoffe in der Luft für uns gefährlicher.

Können wir auch aus dem aktuellen Gesundheitsproblem der Corona-Pandemie etwas für den Klimaschutz lernen?
Oh ja, einerseits sehen wir gerade, dass Dinge, die in der Vergangenheit als in Stein gemeißelt galten, durchaus veränderbar sind. So war es in den vergangenen Monaten in den Städten vielerorts leiser und die Luft war sauberer. Andererseits haben wir gesehen, wie einschneidend solche globalen Ereignisse sein können. Der Klimawandel vollzieht sich zwar schleichender als die Pandemie. Aber die Auswirkungen werden ebenfalls gravierend sein. Deshalb ist es so wichtig, dass wir rechtzeitig und entschlossen etwas dagegen tun. Noch haben wir die Möglichkeit dazu, die Auswirkungen des Klimawandels in einem verträglichen Rahmen zu halten.

 

Prof. Dr. Annette Peters ist Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München für Gesundheit und Umwelt (HMGU). Sie ist zudem Vorsitzende der NAKO Gesundheitsstudie.