Starkregen und Hitze – neue Details zum Klimawandel

Erstmals gibt es einen einheitlichen Ausblick dazu, wie sich der Klimawandel in den einzelnen deutschen Regionen auf Landkreisebene auswirken könnte. Ein neuer Klimaservice des Climate Service Center Germany (GERICS) stellt diese Informationen ab sofort bereit.

Artikel teilen

Die Auswirkungen des globalen Klimawandels nehmen weiter rapide zu: Die Temperaturen steigen, ebenso der Meeresspiegel. Gletscher und Eisflächen schmelzen. Auch in Deutschland sind diese Folgen zu spüren – die Zahl der Hitzetage steigt, extreme Wetterereignisse treten wahrscheinlich häufiger auf. So nimmt zum Beispiel die Starkregengefahr zu. Doch wie wird es damit in den kommenden Jahrzehnten weitergehen? Das haben jetzt Forscher*innen des Climate Service Center Germany (GERICS), einer Einrichtung  des Helmholtz-Zentrums Hereon, berechnet. Sie haben für alle deutschen Landkreise, Kreise, Regionalkreise und kreisfreien Städte die Entwicklung des Klimas projiziert, die Ergebnisse komprimiert und verständlich aufbereitet.

„Anhand dieser Berechnungen können wir zeigen, wie sich das Klima vor unserer Haustür entwickeln dürfte, je nachdem, wieviel wirksamen Klimaschutz wir weltweit betreiben“, sagt Diana Rechid, eine der drei Autor*innen des Berichts. „Stoßen wir weiterhin hohe Mengen an Treibhausgasen aus, wird das für die deutschen Regionen andere Folgen haben, als wenn wir die Treibhausgasemissionen beschränken oder im besten Fall sogar ganz stoppen.“

So erwarten die Forscher*innen zum Beispiel, dass in ganz Deutschland die Zahl der Tage mit Starkregen zunehmen wird. Die Gebirgsregionen der Alpen oder des Schwarzwalds erwärmen sich in allen Szenarien im deutschlandweiten Vergleich am stärksten. Im Rheintal beispielsweise, im baden-württembergischen Landkreis Karlsruhe, besteht ein besonderes Risiko des Auftretens von mehr heißen Tage mit Temperaturen über 30°C und auch mehr tropischen Nächten mit Temperaturen über 20 °C. Auch längere Hitzeperioden könnten hier auftreten, wenn keine wirksamen Klimaschutzmaßnahmen ergriffen werden. In anderen Regionen hingegen, im schleswig-holsteinischen Dithmarschen oder dem Erzgebirgskreis in Sachsen etwa, besteht hierfür ein geringeres Risiko.

„Der Klimawandel wirkt sich vor Ort unterschiedlich aus“, sagt Mit-Autor Sebastian Bathiany. „Wir können Entscheidungsträgern in den Regionen jetzt ein umfassendes Bild des derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstands bieten und auch mögliche Unsicherheiten aufzeigen. So liefern wir ihnen eine exaktere Grundlage für Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel.“ Denn: „Auch wenn wir es schaffen, hierzulande starke Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen, müssen wir uns auf Veränderungen einstellen und uns an den Klimawandel anpassen.“

Diana Rechid und ihre Kolleg*innen Susanne Pfeifer und Sebastian Bathiany, alle aus dem GERICS des Helmholtz-Zentrums Hereon, haben für die nun vorliegenden Klimaausblicke ein Jahr lang Beobachtungsdaten aus dem HYRAS-Datensatz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und aus Zukunftsprojektionen regionaler Klimamodelle aus der europaweiten Forschungsinitiative Euro-CORDEX  analysiert. Die insgesamt 85 Simulationen verschiedener Modelle haben eine räumliche Auflösung von 12,5 x 12,5 Quadratkilometern. Sie stammen von mehreren europäischen Forschungsinstitutionen und erlauben eine Abschätzung verschiedener Zukunftsszenarien auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand. Die Datenanalyseverfahren aller Klimaausblicke beruhen auf einer eigens dafür im GERICS neu entwickelten Auswerte-Software namens CLIMDEX und beinhalten eine Klassifizierung der Robustheit der Modellergebnisse.