Roland Koch

„Wir müssen so schnell wie möglich unsere Emissionen senken“

Ein Drittel der Fläche Deutschlands ist mit Wald bedeckt. Das sind rund 11,4 Millionen Hektar. Doch es steht nicht gut um unsere grüne Lunge. Der Zustand der Baumkronen verschlechtert sich von Jahr zu Jahr, wie der gerade vorgestellte Waldzustandsbericht des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zeigt. Andreas Huth und Friedrich Bohn vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ erforschen, wie sich der Klimawandel auf den Wald auswirkt und welche Folgen das hat.

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Porträt Andreas Huth
Porträt Andreas Huth
Andreas Huth vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ
©
S. Wiedling

Herr Huth, Herr Bohn, der Zustand des Waldes verschlechtert sich seit Jahren. Vier von fünf Bäumen weisen Kronenschäden auf. Was ist dabei aus Ihrer Sicht besonders besorgniserregend?

Huth: Die Kronenschäden verschlimmern sich immer weiter. Insbesondere durch die beiden Trockenjahre 2018 und 2019 haben sie zugenommen. Die Auswirkungen sehen wir jetzt. Sorge machen vor allem zwei Baumarten, die Fichte und die Buche. Bei diesen beiden Arten haben die Schäden stark zugenommen. Bei der Eiche hingegen gibt es eine Verbesserung der Situation. Das macht ein wenig Hoffnung.

Bohn: Davon müssen wir ausgehen. Trockenheit und steigende Temperaturen setzen unserem Wald erheblich zu. Das untersuchen wir in unserem Waldmodell FORMIND. Darin simulieren wir jeden einzelnen Baum eines Waldes und wie sie miteinander interagieren. Zum Beispiel wie sie um Licht konkurrieren, wie sie wachsen, und auch wie lange sie leben. Mit diesem Modell können wir uns das Waldwachstum für die nächsten 100 Jahre unter verschiedenen Klimaszenarien ansehen. Sollte die Temperatur beispielsweise um vier Grad ansteigen, dann ginge die Produktivität des Waldes um rund ein Viertel zurück.

Huth: In unseren Modellierungen arbeiten wir auch mit Satellitendaten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. So können wir Waldhöhenkarten für verschiedene Regionen in Deutschland erstellen. Die erste Karte, die derzeit vorliegt, ist eine Waldhöhenkarte für Thüringen. Diese zusätzlichen Daten geben uns noch mehr Informationen über den Zustand des Waldes.

Portrait Friedrich Bohn
Portrait Friedrich Bohn
Dr. Friedrich J. Bohn vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
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UFZ

Was müssen wir also tun, um den Wald an die sich wandelnden klimatischen Bedingungen anzupassen?

Huth: Das ist ein langer Weg, der da vor uns liegt. In den letzten Jahren sind in Deutschland 285.000 Hektar Wald abgestorben, das sind 2,5 Prozent unserer Waldfläche. Diese müssen zunächst wieder hergestellt werden. Für die Stabilität des Waldes sind Monokulturen nicht gut. Wir benötigen vor allem heterogene Wälder mit jungen, mittelalten und alten Baumbeständen. Und wir benötigen Mischwälder. Das macht sie stabil gegenüber Wetterereignissen und klimatischen Veränderungen. Zudem kann es sein, dass es ein Insekt gibt, das sich auf eine Baumart spezialisiert hat. Dieses hat in einem Mischwald keine so große Auswirkung wie in einer Monokultur.

Bohn: Alte Bäume sind übrigens tendenziell anfälliger für Insekten. Das ist hierzulande wichtig, da wir in Deutschland relativ alte Wälder haben. Es kann auch sein, dass wir die Walddichte verringern müssen, damit sie nicht so viel Wasser verbrauchen. Für die natürliche Regeneration wäre in einigen Wäldern zudem eine Reduzierung des Wildbestandes nötig, weil das Wild gerade junge Laubbäume abfrisst, welche in den abgestorbenen Wälder ganz natürlich nachwachsen würden.

Bäume sind ja zugleich wichtige Faktoren beim Klimaschutz. Sie selbst speichern Kohlenstoff, ebenso der Waldboden. Langfristig wird das Treibhausgas in Holzprodukten wie Möbeln gebunden. Wenn der Wald geschädigt wird, treibt das den Klimawandel also zusätzlich an, was wiederum den Wald schädigt. Kommen wir aus dieser Spirale wieder heraus?

Vorschaubild Andreas Huth im Porträt
UFZ-Umweltphysiker Prof. Dr. Andreas Huth im Porträt
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Bohn: Da gibt es nur einen Weg: Wir müssen so schnell wie nur möglich unsere Kohlendioxidemissionen herunterfahren. Der Wald allein kann unseren Ausstoß an Kohlendioxid nicht kompensieren. Je niedriger die Temperaturen bleiben, desto besser kann der Wald Kohlenstoff aufnehmen. Je höher die Temperaturen sind, desto weniger kann der Wald speichern. Das zeigen unsere Modelle und zahlreiche andere Studien.

Huth: Der Wald kompensiert etwa sechs Prozent der anthropogenen Emissionen in Deutschland. Er ist damit eine wichtige Kohlenstoffsenke. Allein aber schafft er es nicht, den fortschreitenden Klimawandel aufzuhalten.