Prof. Dr.
Thorsten Reusch

GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
Marine Evolutionsbiologie
Seegraswiesen
Marine Hitzewellen
Meeresschutzgebiete

Thorsten Reusch gehört zu den führenden europäischen Experten für die Auswirkungen des Klimawandels auf marine Ökosysteme. Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt auf Evolutionsökologie, Populationsgenetik und mariner Genomik, mit besonderem Fokus darauf, wie sich Organismen an rasch verändernde Umweltbedingungen anpassen. Dabei kombiniert er klassische ökologische Methoden mit modernen molekularbiologischen Ansätzen, um die Anpassungsfähigkeit mariner Arten fundiert zu analysieren.

Ein zentrales Arbeitsfeld ist die Forschung zu Seegraswiesen und deren Bedeutung für den Klimaschutz. Seegras gilt als einer der effizientesten natürlichen Kohlenstoffspeicher im Meer und spielt damit eine Schlüsselrolle für den sogenannten Blue-Carbon-Ansatz. Reusch und sein Team untersuchen, wie Seegraswiesen CO₂ binden, langfristig speichern und gleichzeitig Küstenökosysteme stabilisieren. Im Rahmen des groß angelegten Ostsee-Projekts ZOBLUC analysiert seine Gruppe sowohl das Kohlenstoffspeicherpotenzial als auch die ökologischen Funktionen von Seegras, etwa die Verbesserung der Wasserqualität, die Förderung der Biodiversität und die Erhöhung der Resilienz gegenüber klimabedingten Stressoren.

Neben der Grundlagenforschung engagiert sich Reusch stark im angewandten Meeresnaturschutz. Seine Arbeitsgruppe treibt die Wiederherstellung degradierter Seegraswiesen voran und entwickelt im Rahmen des SeaStore2 Projektes wissenschaftlich fundierte Methoden für Renaturierungsmaßnahmen in der Ostsee. Diese Region dient ihm zugleich als Modellraum, um zukünftige Entwicklungen anderer Meeresgebiete abzuschätzen. Damit verbindet er evolutionsbiologische Forschung mit konkreten Beiträgen zum marinen Klimaschutz und liefert wissenschaftliche Grundlagen für nachhaltige Blue-Carbon-Strategien sowie für einen nachhaltige Schutz und Wiederherstellung mariner Lebensräume.

Thorsten Reusch steht für Gespräche, Interviews oder Anhörungen zur Verfügung zu den Themen: 

  • Marine Evolutionsbiologie & Populationsgenetik
  • Seegraswiesen: Bedeutung für marines Küstenregionen, Natürlicher Klimaschutz, Wiederansiedlung
  • Biologische Effekte des Klimawandels, Extremereignisse wie Marine Hitzewellen
  • Nachhaltige Nutzung der Meere, Überfischung, Meeresschutzgebiete

Professor Thorsten Reusch ist Leiter des Forschungsbereichs „Marine Ökologie“ (Forschungsbereich 3) am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, einem der führenden Meeresforschungsinstitute in Europa. Nach dem Studium und der Promotion in Meereskunde in Kiel sowie Forschungstätigkeiten unter anderem in San Diego und Groningen kehrte er in verschiedenen Positionen nach Deutschland zurück, bis er 2008 seine Professur für Marine Ökologie am GEOMAR antrat. Thorsten Reusch beschäftigt sich interdisziplinär mit evolutionsbiologischen und ökologischen Fragen im Meer. Sein Schwerpunkt liegt auf Evolutionsökologie, Populationsgenetik, mariner Genomik und den Auswirkungen globaler Umweltveränderungen — etwa durch Klimaänderungen — auf marine Organismen. Darüber hinaus untersucht er Invasionsbiologie, also wie Nicht-Einheimische Arten sich ausbreiten und wie sich solche Prozesse auf marine Gemeinschaften auswirken. 

Als wesentliches Merkmal seiner Arbeit kombiniert Thorsten Reusch klassische Evolutionsbiologie und Ökologie mit molekularen und genomischen Methoden — also DNA-Analyse, Populationsgenetik und „ecological genomics“ —, um besser zu verstehen, wie sich marine Organismen an veränderte Umweltbedingungen anpassen können. Ein Vorzeigeprojekt seiner Gruppe war die Entdeckung des bisher ältesten bekannten marinen Pflanzenklons: Ein 1400 Jahre alter Seegras-Klon aus der Ostsee. Mithilfe einer neu entwickelten „genetischen Uhr“ konnten Reusch und sein Team das Alter solcher Klone erstmals präzise datieren. Diese Erkenntnis erweitert unser Verständnis darüber, wie langlebig und widerstandsfähig marine Pflanzenpopulationen sein können — mit wichtigen Implikationen für Naturschutz und Küstenökologie. Ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Forschung von Thorsten Reusch betrifft die genetischen Folgen der Überfischung. Seine Arbeiten zeigen, dass intensive Befischung nicht nur die Bestandsgrößen reduziert, sondern auch die genetische Struktur und Anpassungsfähigkeit von Fischpopulationen verändert. Durch genomweite Analysen weist seine Gruppe nach, dass selektiver Fang – etwa auf größere Individuen – evolutionäre Verschiebungen in Merkmalen wie Wachstum, Reifealter und Stressresistenz auslösen kann. Diese Veränderungen können die Erholung überfischter Bestände erheblich erschweren. Diese Forschung zeigt, dass evolutionäre Prozesse in das Fischerei-Management integriert werden müssen, um langfristig resiliente, genetisch vielfältige und klimaangepasste Fischpopulationen zu sichern.

Darüber hinaus hat Reusch mit Kollegen ein konzeptionelles Umdenken in der Evolutionstheorie angestoßen: In einer Publikation argumentiert er, dass somatische Mutationen — also genetische Veränderungen in Körperzellen — bei modularen, klonalen Organismen (z. B. Seegräser, Korallen) eine wichtige, bisher unterschätzte Rolle für Evolution und Anpassung spielen können. Damit könnten solche Lebewesen evolutionäre Flexibilität besitzen, auch ohne sexuelle Fortpflanzung. Seine Publikationsliste umfasst renommierte Fachzeitschriften wie Nature und Science. Gewidmet sind sie Themen wie genetische Diversität, parasitärem Druck und evolutionärer Anpassung bei marinen Fischen, Populationen und Ökosystemen. 

Die Forschungen von Reusch sind nicht nur theoriegeleitet, sondern haben große Bedeutung für Umwelt- und Naturschutz. Durch das Verständnis, wie genetische Vielfalt und evolutive Anpassung in Meerespflanzen und -tieren funktionieren, lassen sich Strategien zum Schutz von Ökosystemen und zur Resilienz gegenüber Klimawandel entwickeln. Besonders wichtig sind seine Arbeiten zu Seegraswiesen — etwa deren Rolle als Kohlenstoffspeicher oder als Habitat für viele Arten — unter dem Gesichtspunkt des „Blue Carbon“ und Klimaschutz. Ein zentraler Schwerpunkt der Arbeit von Thorsten Reusch liegt auf dem Schutz, der Wiederherstellung und dem Verständnis der ökologischen Funktion von Seegraswiesen in der Ostsee. Unter seiner Leitung untersucht das Team am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel im Rahmen des Projekts ZOBLUC („Zostera marina als Blue Carbon-Kohlenstoffspeicher in der Ostsee“) intensiv, wie Seegraswiesen als natürliche Kohlenstoffsenken funktionieren können. Ziel ist es, ihre Rolle im Klimaschutz zu quantifizieren und Handlungsempfehlungen für Schutz und Wiederherstellung zu erarbeiten. 

Darüber hinaus geht es Reusch nicht nur um wissenschaftliche Grundlagenforschung, sondern auch um konkrete Renaturierung: Seegraswiesen werden gezielt wieder angepflanzt — unter Beteiligung von freiwilligen Helfer:innen und mit wissenschaftlicher Begleitung, um stabile, klimaresistente Bestände zu etablieren. Ein weiterer wichtiger Aspekt: In einer Studie aus Kiel konnte gezeigt werden, dass Seegraswiesen auch zur Verbesserung der Wasserqualität beitragen. So enthalten Gewässer mit dichter Seegrasbedeckung signifikant weniger Vibrionen — potenziell gesundheitsschädliche Bakterien — im Vergleich zu unbewachsenen Flächen. Damit liefern Seegraswiesen auch direkt einen Nutzen für Mensch und Umwelt. 

Nicht zuletzt sieht Reusch in der Ostsee eine Modellregion: Wegen ihres vergleichsweise geringen Wasservolumens, des langsamen Wasseraustauschs und der bereits fortgeschrittenen ökologischen Veränderungen kann die Ostsee Entwicklungen aufzeigen, die für andere Meere noch Zukunft sind. Damit liefert seine Forschung Erkenntnisse, die über die Ostsee hinaus Bedeutung haben können — für Küstenschutz, Klimapolitik und Biodiversitätsmanagement weltweit. 

Reusch war er Mit-Organisator des International Ocean Health Symposium, bei dem Expert:innen aus Ökologie, Ozeanographie, Epidemiologie und Klimaforschung zusammenkamen, um Gesundheit und Widerstandsfähigkeit mariner Ökosysteme besser zu verstehen. Aktuell koordiniert Reusch Projekte wie z. B. eine Initiative zur Wiederherstellung und klimafreundlichen Nutzung von Seegraswiesen in der Ostsee (Projektname: ZOBLUC) — mit dem Ziel, Seegras als natürlichen CO₂-Speicher und Schutzraum für Biodiversität zu nutzen.

  • seit 2012 Leiter, Forschungsbereich „Marine Ökologie“, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
     
  • 2009-2012 Leiter Forschungsbereich Marine Ökologie am IFM-GEOMAR
     
  • seit 2008 Leiter Forschungseinheit „Marine Evolutionsökologie“ und W3-Professur für Marine Ökologie, an der Universität Kiel und dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften und GEOMAR (IFM-GEOMAR), heute GEOMAR, Kiel 
     
  • 2005-2008 W3-Professur für Evolutionsökologie der Pflanzen, Universität Münster
     
  • 2002 - 2005 Gruppenleiter, Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Max-Planck-Institut für Limnologie, Plön
     
  • 1999 - 2001 Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Max-Planck-Institut für Limnologie, Plön
     
  • 1997 - 1999  Marie-Curie-Stipendiat, Universität Groningen, Niederlande
     
  • 1994 - 1997  Forschungsstipendiat von DAAD und DFG, SDSU Coastal and Marine Institute - San Diego State University, USA
     
  • 1991-1994 Promotion, Institut für Meereskunde (IFM) Kiel 
     
  • 1987-1991 Diplom in Biologischer Meereskunde, Institut für Meereskunde (IFM) Kiel
     
Auszeichnungen (Auswahl)
  • 1995 Annette-Barthelt-Preis für Meeresforschung
     
Gremien und Mitarbeit (Auswahl)
  • 2025-2029 Projektleitung  und -Koordination ZOBLUC – Zostera als Blue Carbon Speicher
     
  • 2020 - 2027 Projekt „SeaStore - Diversity Enhancement through Seagrass Restoration”, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
     
  • seit 2019 Steering Committee, Kiel Plant Centre 
     
  • seit 2017 Mitglied, Lenkungsausschuss, Integrated School of Ocean Science (ISOS) 
     
  • Mitherausgeber, „Marine Biology” und „Science Advances”
     
  • 2015-2021 Koordination des Schwerpunkttemas „Evolving Ocean” im Exzellenzcluster „Future Ocean”
     
  • 2019- Mitglied, Lenkungsausschuss, Kiel Evolution Centre
     
  • 2017-2024 Mitglied, Lenkungsausschuss, International Max-Planck School for Evolutionary Biology (IMPRS)
     
  • 2022- Mitglied, Lenkungsausschuss, Helmholtz-Institut für Funktionelle Marine Biodiversität (HIFMB), Oldenburg
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