Sarah Werner

Der Klimawandel verstärkt nicht nur Allergien

Klimaschutz ist auch immer Gesundheitsschutz, denn der Klimawandel hat vielfältige Auswirkungen auf uns: Er führt häufiger zu Extremereignissen, wie Hitzetagen und -wellen, zu Starkregen und Stürmen. Das ist nicht nur schädlich für unsere Umwelt, auch unser Körper leidet darunter.

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Allergien und Asthma

Porträt Claudia Traidl-Hoffmann
Porträt Claudia Traidl-Hoffmann
Claudia Traidl-Hoffmann vom Helmholtz Zentrum München
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Micha Pawlitzki

Steigende Temperaturen verstärken die Ursachen und Folgen von Allergien und Asthma. „Tatsächlich ist jetzt schon spürbar, dass mildere Winter zu einem früheren und insgesamt längeren Pollenflug führen. Bereits im Januar sehen wir nun regelmäßig die ersten Allergiepatienten“, sagt Claudia Traidl-Hoffmann vom Helmholtz-Zentrum München. „Zudem bringen Arten wie Ambrosia, die eigentlich nicht hier heimisch sind, ganz neue Allergien mit sich und verlängern die Pollenflugzeit in den Herbst hinein.“ Zusätzlich werden Pollen immer aggressiver, da sie durch Schadstoffe in der Luft mehr Allergene produzieren.

Doch nicht nur Allergien werden durch den Klimawandel verstärkt: So können zum Beispiel Gewitterstürme unter bestimmten Bedingungen Asthma-Anfälle auslösen. „Die Elektrizität kann, kombiniert mit starken Winden und Regen, die Hülle von Pollen zum Platzen bringen“, erklärt Claudia Traidl-Hoffmann, die mit ihrem Team ebenfalls das sogenannte Thunderstorm-Asthma erforscht. „So entstehen viele kleine Partikel, die tiefer in die Lunge und Bronchien eindringen und hier Infektionen auslösen können.“

Hitzestress kann einige starke Reaktionen hervorrufen: Eine höhere Körpertemperatur führt zu stärkerem Schwitzen, einer Erweiterung der Blutgefäße, erhöhter Herz- und Atemfrequenz oder zu Veränderungen in der Blutgerinnung. „Besonders die fehlende nächtliche Abkühlung während der Hitzewellen macht dem Herzkreislaufsystem schwer zu schaffen“, sagt Annette Peters vom Helmholtz Zentrum München. Gemeinsam mit ihrem Team erforscht sie unter anderem, wie sich heiße Tage auf unseren Körper auswirken: „Wir wollen vor allem wissen, wie sich Hitze in Kombination mit Luftschadstoffen und Lärm im städtischen Umfeld auf unsere Gesundheit auswirkt.“

Porträtfoto von Annette Peters
Porträtfoto Annette Peters
Annette Peters vom Helmholtz Zentrum München
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Foto: HMGU

Denn nicht nur die Hitze setzt unserer Gesundheit zu, sondern auch die stark durch Schadstoffe und Treibhausgase verschmutzte Luft. „Die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze auf das Herz-Kreislauf-System werden durch Luftverschmutzung weiter erhöht. Das gilt vor allem für Menschen, die in Städten leben, wo sich die Hitzewellen aufgrund der Bebauung und der Mehrfachbelastung durch andere Umweltfaktoren intensiver auswirken.“

Insgesamt bringt der Klimawandel also einige direkte gesundheitliche Folgen für uns. Was können wir tun, um diesen entgegenzuwirken? „Aus unserer Sicht gibt es vier Ebenen“, sagt Annette Peters. Da wäre erstens die individuelle Ebene: „Jede*r Einzelne kann sich schützen, indem sie/er versucht, sich weniger der Hitze und schlechter Luft auszusetzen.“ Die ärztliche Ebene muss wiederum sicherstellen, dass besonders betroffene oder empfindliche Patienten gut behandelt werden. Auch die öffentliche Gesundheitsvorsorge muss handeln: „Wir brauchen Hitzeaktionspläne, um die Belastung der Bevölkerung durch Hitzeinseln in Städten zu reduzieren.“ Die vierte und wichtigste Ebene ist aber, dass wir den Klimawandel abwenden müssen, sagt Peters: „Die Erfüllung des Übereinkommens von Paris mit Eindämmung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C ist daher essenziell, um durch den Klimawandel verursachte gesundheitliche Folgen einzugrenzen. Wir müssen verhindern, dass so viele Menschen in Deutschland aber auch weltweit Hitzeextremen ausgesetzt sind, die durch den Anstieg der globalen Mitteltemperatur immer häufiger vorkommen und immer heftiger ausfallen werden.“