Christian Mihatsch

Die Ergebnisse der Klimakonferenz 2021

Bei der Klimakonferenz von Glasgow haben die Staaten der Welt das Regelbuch vollendet, um das Paris-Abkommen umzusetzen. Ein eigenes Kapitel verdient hätte künftig die Rolle der Natur bei der Lösung der Klimakrise.

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Martin Visbeck (GEOMAR)
Martin Visbeck (GEOMAR)
Prof. Dr. Martin Visbeck vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
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GEOMAR

Nicht immer aber werden die verschiedenen Krisen zusammengedacht. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sogenannte naturbasierte Lösungen zur CO2-Speicherung es nicht im Wortlaut in das Abschlussdokument von Glasgow geschafft haben. Neben Wäldern können auch andere Ökosysteme CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen und so gewissermaßen negative Emissionen erzeugen.

Die Einigung in Glasgow betont stattdessen, wie wichtig es sei, Ökosysteme zu bewahren und wiederherzustellen, um als Senken für Kohlendioxid zu dienen. Auch die Möglichkeiten des Ozeans seien nur schwach abgebildet. Aus Sicht von Visbeck wird dadurch eine Chance verschenkt: „Neuere Forschung auch aus Deutschland zeigt, dass naturbasierte Lösungen durch Schutz und Ausweitung von Mangroven, Seegraswiesen oder Kelpwäldern aus speziellen Algen einen deutlichen Beitrag zu negativen Emissionen leisten können.“ 

Naturbasierte Lösungen zur CO2-Speicherung

Auch nach Glasgow sei noch immer unklar, wie genau die Staaten naturbasierte Lösungen in ihren nationalen Klimaschutzbeiträgen (NDCs) des Pariser Abkommens berücksichtigen könnten. Dies müsse dringend geändert werden, sagt Visbeck und erinnert an verschiedene Zusatznutzen etwa von Mangrovenwäldern als Schutz vor Sturmfluten. 

Am härtesten umkämpft war in Glasgow der Umgang mit klimawandelbedingten Schäden und Verlusten, die sich auch durch Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel nicht verhindern lassen. Hierzu zählen etwa Dürren, Versteppung, Verlust von Küstenregionen, Wäldern oder Gletschern. Für derartige Ereignisse forderten die Entwicklungsländer einen Fonds, der finanzielle Hilfe leistet. Dieser wurde aber nicht beschlossen. Das sogenannte Santiago-Netzwerk, in dem Maßnahmen im Fall von Verlusten und Schäden koordiniert werden, erhält aber Gelder, um zumindest die Planung von Wiederaufbaumaßnahmen zu finanzieren. Der eigentliche Wiederaufbau muss allerdings immer noch von den betroffenen Ländern selbst gestemmt werden.

Schnelle Treibhausgassenkung hat Priorität

Im Endspurt von Glasgow stand  die Kohle im Mittelpunkt. Hier sah der erste Entwurf der Abschlusserklärung einen Aufruf an die Staatengemeinschaft vor, aus der Kohleverstromung auszusteigen. Diese Formulierung wurde auf Druck einiger Länder immer weiter abgeschwächt. In der endgültigen Fassung findet sich nun der Aufruf, die sogenannte „unverminderte“ Kohleverstromung herunterzufahren – womit eine Hintertür für Kraftwerke offen bleibt, CO2 aus ihren Abgasen abzuscheiden.

An dieser Formulierung gab es teils heftige Kritik, das Umweltministerium in Berlin betonte allerdings die historische Dimension des Beschlusses: „Zum ersten Mal in der Geschichte der Weltklimakonferenzen gibt es in der Abschlusserklärung eine von allen Staaten akzeptierte Einigung auf eine beschleunigte globale Energiewende weg von Kohle.“ 

In den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob die Staaten ihre Emissionen vor allem kurzfristig schneller senken, um die globale Erwärmung möglichst nicht über 1,5 Grad steigen zu lassen. UN-Chef António Guterres mahnte zu einer Dekade der Umsetzung von Klimabeschlüssen: „Die Wissenschaft sagt uns, dass die absolute Priorität in einer schnellen Emissionsreduzierung in diesem Jahrzehnt liegen muss.“