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Stadt. Klima. Wandel. Klimaneutrale Städte gemeinsam gestalten

Menschen sitzen sich bei einer Debatte gegenüber
Menschen sitzen sich bei einer Debatte gegenüber
Teilnehmende und die Moderator:innen Monika Seynsche und Michael Stang im Auditorium des Deutschen Architekturmuseums
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Stefanie Kösling

Wie können Städte klimaneutral werden? Welche Rolle spielen nachhaltiges Bauen, Mobilität, Energieversorgung und Hitzeschutz? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Unterhausdebatte „Stadt. Klima. Wandel. Klimaneutrale Städte gemeinsam gestalten“, zu der das Deutsche Architekturmuseum (DAM) und die Dialog-Plattform Helmholtz KLIMA am 19. Juni 2026 eingeladen haben. Die Veranstaltung bildete den Auftakt zur Ausstellung „Too Hot – Heiße Städte, Neue Wege“ und brachte Wissenschaft, Politik und Stadtgesellschaft in einen offenen Austausch.

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Tina Zapf-Rodriguez im Gespräch
Tina Zapf-Rodriguez im Gespräch
Tina Zapf-Rodriguez, B90/Die Grünen, Dezernentin für Klima, Umwelt und Frauen der Stadt Frankfurt am Main
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Stefanie Kösling

Gleich die erste Frage der Debatte berührte den Kern der urbanen Transformation: Können deutsche Städte bis 2045 klimaneutral werden? Die Diskussion rund um die bewusst zugespitzte Frage machte deutlich, dass Optimismus und Skepsis eng beieinanderliegen. Es wurde betont, dass es zwar wünschenswert wäre, das Klimaziel zu erreichen, das die Stadt Frankfurt am Main sich gesetzt hat, es aber zweifelhaft sei, dass die Transformation im angestrebten Zeitrahmen gelänge. Die Stadt Frankfurt am Main strebt Klimaneutralität bereits bis 2035 an. 

Tina Zapf-Rodriguez, Dezernentin für Klima, Umwelt und Frauen der Stadt Frankfurt am Main, unterstrich in diesem Zusammenhang die besondere Verantwortung von Metropolregionen bei der Transformation. Optimistische Stimmen verwiesen in der Debatte rund um das Klimaneutralitätsziel für Deutschland (2045) darauf, dass insbesondere auf kommunaler Ebene ambitionierte Initiativen zu beobachten seien. 

Nachhaltiges Bauen: Neubau oder Bestand?

Kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob Neubauten künftig nur noch genehmigt werden sollten, wenn sie klimaneutral betrieben werden können. Die große Mehrheit der Teilnehmenden nahm durch die Wahl ihres Sitzplatzes eine zustimmende Haltung ein. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Klimaneutralität im Gebäudesektor weit über den Energieverbrauch im Betrieb hinausgeht. Prof. Elisabeth Endres von der TU Braunschweig betonte, dass neben der Betriebsenergie insbesondere die verwendeten Baustoffe berücksichtigt werden müssten. Zudem müsse die Diskussion stärker auf den Flächenverbrauch und die Nutzung bestehender Gebäude ausgerichtet werden. Mehrere Teilnehmende betonten, dass nachhaltiges Bauen nicht allein durch effizientere Neubauten erreicht werden könne, sondern insbesondere auch durch Sanierung und Umnutzung des Bestands. Ralf Eisenhauer, Bürgermeister der Stadt Mannheim, verwies auf die praktischen Herausforderungen kommunaler Planung. Städte müssten unterschiedliche Anforderungen miteinander in Einklang bringen – von Klimaschutz über Barrierefreiheit bis hin zu Wohnraumbedarf und Mobilitätsanbindung. 

Yannick Schwander (CDU)
Yannick Schwander (CDU)
Yannick Schwander, CDU, Stellv. Fraktionsvorsitzender und Sprecher für Klima und Umwelt, Frankfurt am Main
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Stefanie Kösling

Es gehe vielmehr darum, in intelligenten Netzen zu denken, so Yannick Schwander, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Frankfurter Römer.

Neben Geothermie wurden insbesondere Solarenergie, intelligente Wärmenetze und neue Ansätze zur Kühlung von Städten diskutiert. Eine zentrale Erkenntnis lautete: Die urbane Energiewende erfordert integrierte Lösungen, die sowohl Wärmeversorgung als auch den zunehmenden Kühlungsbedarf in den Blick nehmen.

Mobilität neu denken

Bei der Diskussion über eine autoarme Innenstadt sprach sich ein großer Teil der Teilnehmenden für stärkere Einschränkungen des Autoverkehrs aus. Gleichzeitig wurde deutlich, dass einfache Lösungen kaum existieren. Diskutiert wurden sowohl höhere Parkgebühren als auch Fahrverbote als mögliche Instrumente. Mehrere Beiträge verwiesen darauf, dass solche Maßnahmen nur im Rahmen eines umfassenden Mobilitätskonzepts erfolgreich sein können. Als Beispiele wurden autoarme Quartiere, die sogenannte 15-Minuten-Stadt sowie eine stärkere Orientierung an den Bedürfnissen unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen genannt. Ralf Eisenhauer machte deutlich: Das Ziel sei, den öffentlichen Raum neu zu verteilen und die Abhängigkeit vom Auto zu reduzieren. Gleichzeitig müssten politische Maßnahmen gesellschaftlich vermittelbar und praktisch umsetzbar bleiben.

Entsiegelung als Schlüssel für klimaresiliente Städte?

Besonders deutlich fiel das Stimmungsbild bei der Frage aus, ob Städte prioritär neue Wohnungen schaffen oder Flächen entsiegeln sollten. Die Mehrheit sprach sich für die Entsiegelung aus. Die Diskussion zeigte jedoch, dass beide Ziele nicht zwangsläufig im Widerspruch stehen. Mehrere Teilnehmende betonten die Potenziale von Nachverdichtung, Aufstockung und Umnutzung bestehender Gebäude. Gleichzeitig wurde die Bedeutung von Grünflächen, Bäumen und sogenannter blau-grüner Infrastruktur für den Hitzeschutz hervorgehoben.

Dr. Peter Hoffmann vom Climate Service Center Germany (GERICS), eine Einrichtung des Helmholtz-Zentrums Hereon, verwies auf Projektionen deutlich zunehmender Hitzetage in Städten. Entsiegelung und Begrünung seien deshalb wichtige Maßnahmen, um sowohl Hitze als auch die Folgen von Starkregenereignissen zu reduzieren. Besonders wirksam seien Bäume, die das Mikroklima verbessern und Rückzugsorte während Hitzeperioden schaffen.

Expertise

"Städte können Vorreiter im Kampf gegen den Klimawandel sein. Schließlich tragen sie mit bis zu 70 Prozent zu den globalen Treibhausgasemissionen bei. Maßnahmen zum Klimaschutz sollten idealerweise außerdem mit der Klimaanpassung einhergehen. So kann Stadtgrün beispielsweise sowohl eine CO₂-Senke sein als auch den Hitzestress der Stadtbewohner:innen reduzieren.“

Peter Hoffmann

Dr. Peter Hoffmann, GERICS am Helmholtz-Zentrum Hereon

Bedeutung und Relevanz von gesundheitlichem Hitzeschutz

Hitze ist in Deutschland das Gesundheitsrisiko Nummer eins, welches mit dem Klimawandel in Zusammenhang steht, wir erleben es gerade in der andauernden extremen Hitzewelle.

Von den gesundheitlichen Auswirkungen, die auch lebensbedrohlich sein können, sind vor allem ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen oder funktionellen Einschränkungen, aber auch Säuglinge, Kleinkinder und Schwangere betroffen. Zu den Risikogruppen gehören außerdem Menschen, die draußen körperlich arbeiten oder Sport treiben und die, die sozial benachteiligt sind. Hitzeaktionspläne zum Schutz der Gesundheit zielen darauf ab, Gesundheitsauswirkungen vorzubeugen, durch strukturelle und auch Verwaltungsmaßnahmen, die in den Lebenswelten wirken, dort, wo die Menschen wohnen, sich aufhalten, gepflegt und betreut werden, sich bewegen und arbeiten. 

Eine systematische und flächendeckende Umsetzung von Hitzeschutzmaßnahmen in Städten und Kommunen ist angesichts der Hitzerisiken, denen wir bereits heute ausgesetzt sind, unerlässlich. Hitzeaktionspläne setzen dafür den Rahmen hinsichtlich definierter Zuständigkeiten und konkreter Maßnahmen bei gegebener Hitzewarnungen. Umgesetzte Hitzeschutzmaßnahmen und eine gestärkte Hitzekompetenz in der Bevölkerung retten Leben, verhindern zusätzliche Kosten und tragen dazu bei, Gesundheit und Wohlbefinden bei Hitze zu erhalten.

Standpunkt von Dr. Eva-Franziska Matthies-Wiesler

Hitzeschutz als soziale Aufgabe

Zum Abschluss diskutierten die Teilnehmenden darüber, wie Menschen besser vor zunehmender Hitze geschützt werden können. Die Mehrheit der Anwesenden sprach sich klar für verbindliche Hitzeschutzpläne aus und gegen freiwillige kommunale Angebote.

Dr. Franziska Matthies-Wiesler von Helmholtz Munich betonte, dass die gesundheitlichen Risiken von Hitze durch den demografischen Wandel und die zunehmende Urbanisierung weiter steigen würden. Besonders gefährdet seien ältere Menschen, chronisch Erkrankte und andere vulnerable Gruppen. Daher brauche es systematische und verbindliche Maßnahmen, die Gesundheitsämter, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und weitere Akteure einbeziehen. Denn, so Matthies-Wiesler weiter:

“Gerade erleben wir es hautnah: extreme Hitze bringt den Körper an seine Grenzen. Maßnahmen für den gesundheitlichen Hitzeschutz und eine gestärkte Hitzekompetenz in der Bevölkerung retten Leben, verhindern zusätzliche Kosten und tragen dazu bei, Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen bei Hitze zu erhalten. Hitzeaktionspläne setzen dafür den Rahmen.”

Dr. Franziska Matthies-Wiesler

Dr. Franziska Matthies-Wiesler

Auch aus kommunaler Perspektive wurde die Notwendigkeit klarer Zuständigkeiten und verbindlicher Strategien hervorgehoben. Ein zentrales Anliegen der Diskussion war dabei die soziale Dimension des Klimawandels: Die Folgen von Hitze treffen Menschen nicht gleichermaßen, weshalb Klimaanpassung immer auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit sei.

Die Unterhausdebatte machte deutlich, dass klimaneutrale und klimaresiliente Städte nur durch das Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft entstehen können. Viele der diskutierten Herausforderungen sind komplex und erfordern das Abwägen unterschiedlicher Interessen. Gleichzeitig zeigte die Debatte, dass ein breiter Konsens über die Notwendigkeit des Handelns besteht. Das partizipative Format bot den Teilnehmenden die Möglichkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse, politische Perspektiven und persönliche Erfahrungen direkt miteinander zu verbinden. Es wurde sichtbar, wie wichtig Dialogräume sind, um die Transformation der Städte gemeinsam zu gestalten – wissenschaftsbasiert, praxisnah und im Austausch mit der Gesellschaft.

Die Ausstellung "Too hot - Heiße Städte, neue Wege" ist bis zum 7. Februar 2027 im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main zu sehen.