Meike Lohkamp

Wie Bürger:innen sich für kommunalen Klimaschutz starkmachen

Überflutungen, Hitzewellen und Dürren - auch in Deutschland sind die Folgen des Klimawandels bereits heute sichtbar. Dabei wirkt sich der Klimawandel je nach Region unterschiedlich aus. Was der Klimawandel für die eigene Kommune bedeutet und was jede:r Einzelne für den Klimaschutz im Alltag tun kann, lernen die Teilnehmenden des vom Helmholtz-Verbund Regionale Klimaänderungen und Mensch (REKLIM) und dem World Wide Fund For Nature (WWF) entwickelten Kurs an lokalen Volkshochschulen „klimafit – wissen, wollen, wandeln“.

Artikel teilen
Bettina Münch-Epple
Bettina Münch-Epple
Bettina Münch-Epple
©
Daniel Seiffert/ WWF

„Wir werden die Pariser Klimaschutzziele nur erreichen können, wenn Klimaschutz auch auf regionaler und kommunaler Ebene vorangebracht und umgesetzt wird. Dazu braucht es 'Alle'. Denn Klimaschutz ist Gemeinschaftsaufgabe. Durch die Teilnahme am klimafit-Kurs erhalten Bürger:innen wichtige Handlungskompetenzen und werden so zu Mulitiplikator:innen für kommunalen Klimaschutz“, erklärt Bettina Münch-Epple, die den Bereich Bildung beim WWF leitet.

An insgesamt sechs Kursabenden lernen die Teilnehmenden die Grundlagen des globalen Klimawandels, seine regionalen Ausprägungen und Folgen sowie mögliche Anpassungsmaßnahmen kennen. Außerdem werden konkrete Anregungen vorgestellt und diskutiert, wie die Bürger:innen selbst für den Klimaschutz aktiv werden und sich vernetzen können. Dabei haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, mit führenden deutschen Klimaforscher:innen sowie regionalen und lokalen Expert:innen und Initiativen zu sprechen. Mit der klimafit Challenge erfahren die Teilnehmenden, wie sie durch niederschwellige Maßnahmen in ihrem Alltag zur konkreten Treibhausgaseinsparung beitragen. Die klimafit Challenge wird seit diesem Jahr auch pilotartig in fünf Kommunen getestet. 

Der Kurs richtet sich an die gesamte Gesellschaft von Schüler:innen bis Senior:innen: „An alle, die etwas bewegen wollen“, sagt Klaus Grosfeld, Geschäftsführer von REKLIM. „Besonders bei älteren Teilnehmer:innen ist der Wille, Verantwortung für die nachfolgende Generation zu übernehmen, ein starker Motivator.“ Renate Treffeisen, Leiterin des Klimabüros am Alfred-Wegener-Institut und klimafit-Projektleiterin in REKLIM  ergänzt: „Wir wollen Menschen, die sich für das Thema interessieren und engagieren wollen, bestmöglich ausbilden und vernetzen! Die große Aufgabe einer gesellschaftlichen Transformation kann nur dann gelingen, wenn möglichst viele Menschen davon überzeugt sind, dass sie selber etwas dazu beitragen können!“.

Klaus Grosfeld
Klaus Grosfeld
Klaus Grosfeld
©
Kerstin Rolfes/ AWI
Renate Treffeisen
Renate Treffeisen
Renate Treffeisen
©
Kerstin Rolfes/ AWI

Die Kursleitenden werden gemeinsam von REKLIM und dem WWF ausgebildet. „Unsere Kursleitende wollen den Klimaschutz in Deutschland vorantreiben und vor allem auch in ihrer Kommune aktiv werden. Das wird als Spirit auch in die Kurse getragen“, sagt Treffeisen. „Daraus ergeben sich nachhaltige Beziehungen. Viele Kursleitende arbeiten seit Jahren mit uns zusammen. Oft stoßen sie im Nachgang zu dem Kurs weitere Treffen oder Veranstaltungen zum Klimaschutz in den Kommunen an, wie beispielsweise klimafit-Stammtische, zu denen sich Teilnehmende auch nach dem Kurs zusammenfinden, um gemeinsame konkrete Klimaschutz-Aktivitäten zu planen“.

klimafit in Ihrer Region

Wollen Sie lernen, wie Sie Ihre Stadt oder Kommune klimafreundlich gestalten können? Hier finden Sie alle Kursstandorte und gelangen direkt zur Buchung an der entsprechenden Volkshochschule.

Möchten Sie einen klimafit-Kurs in Ihrer Volkshochschule anbieten? Oder möchten Sie selber als Kursleitende aktiv werden? Dann setzten Sie sich mit einem der klimafit-Hubs in Verbindung. Sie stellen regionale und organisatorische Knotenpunkte dar und unterstützen mit Ihrer Expertise, regionalen Verortung und Ihren guten, regionalen Netzwerken den Aufbau und die Verankerung der Kurse in der jeweiligen Region. Eine Übersicht der Hubs finden Sie hier.

Seit der Pilotphase 2017 wird klimafit von der Universität Hamburg wissenschaftlich begleitet. Das Forschungsteam um Beate Ratter und Martin Döring untersucht, was das Projekt in der Gesellschaft bewirken kann und wie Menschen zum Handeln bewegt werden können.

Mittlerweile wird der Klimafit-Kurs an 98 Volkshochschulen bundesweit angeboten. Ziel ist es, die Kurse deutschlandweit an bis zu 170 Volkshochschulen in 2024 zu etablieren. Dazu muss aber erst noch ein Weg gefunden werden, die Kurse auch ohne Fördermittel selbstständig und nachhaltig zu finanzieren. Aktuell wird das Projekt durch die Nationale Klimaschutzinitiative vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz gefördert, zuvor wurde es von der der Robert Bosch Stiftung und der Klaus Tschira Stiftung unterstützt.